Verleihung des Aarauer Kulturpreises 2006 durch Stadtammann Dr. Marcel Guignard am 21.09.06 im KUK

Zum zweiten Mal gibt sich die Stadt Aarau die Ehre, ihren Kulturpreis zu verleihen.
Und es ist geradezu wunderbar: Obwohl erst zum zweiten Mal verliehen, ist es, als sei dieser Preis bereits bestens etabliert, als sei er fester Bestandteil des Kulturlebens unserer Stadt.
Zumindest ist seine Bedeutung unumstritten: Die diesjährige Wahl der Kulturpreis Kommission wurde reihum begeistert aufgenommen und auch in den Medien zustimmend kommentiert.
Es geht der Stadt Aarau bei dieser Kulturpreis Verleihung nicht um eine materielle Förderung für die Preisträger/-innen – es geht ihr um eine ideelle Anerkennung, es geht um ganz reelle Wertschätzung; es geht darum, als Stadt inne zu halten, über die eigene Kulturpolitik nachzudenken, diese mit Namen von Kulturschaffenden zu verbinden – und ein Zeichen zu setzen!
Deshalb bin ich heute dankbar. Denn ich habe gemeinsam mit der Kulturpreis Kommission über Kulturschaffende und –vermittelnde, über Kulturprojekte und –tendenzen, über Kulturpolitik und –förderung – wir haben über das „Kulturleben unserer Stadt“ schlechthin – nachgedacht. Und ich bin mir wieder einmal bewusst geworden, wie die kulturelle Vielfalt der Stadt Aarau regional, national und oftmals auf international höchste Anerkennung und Akzeptanz geniesst.
Kultur gehört nicht nur zu den identitätsbildenden und -bestimmenden Faktoren einer Stadt, sie ist Fundament und Grundlage einer Stadt und liegt, so gesehen, der Wirtschaft, der Politik, der Gesellschaft zugrunde und verbindet diese Bereiche miteinander.
Und diese gemeinsame Basis wollen und müssen wir bewahren, lebendig erhalten und fortentwickeln – indem wir eben Zeichen setzen. Und – obwohl ich mich wiederhole – ich bin froh; ich bin dankbar, dass die Stadt Aarau heute ein solches Zeichen setzen kann. Dass wir diesen Kulturpreis geschaffen haben und dass er so breit abgestützt und akzeptiert ist. Es ist also nicht der Stadtrat oder die Kulturpreis Kommission, die heute den Kulturpreis verleihen, sondern es ist Aarau: Ganz Aarau, seine Bürgerinnen und Bürger. Und mit ihnen: die ganze Region; wobei uns ganze Teile der Schweiz – und auch des Auslandes – heute zuschauen und uns ihr Einverständnis, ihre Freude über die diesjährige Wahl mehrfach mündlich und schriftlich mitgeteilt haben.
Das hat mit dem unglaublich hohen Bekanntheitsgrad, mit dem internationalen Wirkungsfeld und mit der aussergewöhnlichen Persönlichkeit unserer Preisträgerin zu tun: Frau Emmy Henz-Diémand.
Jetzt ist er ausgesprochen, dieser Name: Emmy Henz-Diémand…!

Während der Evaluation für den oder die Kulturpreisträger/-in 2006 – diese Diskussionen werden von der Kulturpreis Kommission natürlich äusserst diskret, ja „geheim“ geführt – stand ihr Name von aller Anfang an im Zentrum.
Die Kulturpreis Kommission recherchiert, analysiert, diskutiert – das kann ich Ihnen persönlich versichern – auf höchst seriöse Weise. Da werden Telefonate geführt, Personen (ohne dass sie es merken) „interviewt“, Internet-Recherchen getätigt, Bücher und Zeitungsberichte gelesen, Mails geschrieben…
Um Diskretion und Geheimhaltung zu wahren, hat die Kulturpreis Kommission in ihrer internen Kommunikation – bevor die Öffentlichkeit am 21. Juni 2006 informiert wurde – die Preisträgerin stets mit dem Kürzel „EHD“ bezeichnet.

EHD – Emmy Henz-Diémand.
Ich will hier nicht mehr weiter auf dieses Kürzel eingehen (obzwar ich es mir natürlich eine Lust – und ich um Interpretationen nicht verlegen – wäre, wie:
E“ wie: Eigenwillig
H“ wie: Hervorragend
D“ wie: Dynamisch
oder:
Experimentieren  Handeln  Debattieren
oder: Engagiert  Hochwertig Dezidiert)

Emmy Henz-Diémand…!
Ich habe nun die Ehre, Ihnen den Aarauer Kulturpreis 2006 überreichen zu dürfen.
Ich bitte Sie hierzu auf die Bühne.
Liebe Frau Emmy Henz-Diémand:
Möge Sie dieses Email-Blechschild, mit Ihrem Namen beschriftet, fortan an die Wertschätzung, Dankbarkeit und Sympathie, die Ihnen Aarau – Ihre Stadt – entgegen bringt, erinnern.
Die Stadt Aarau würdigt und ehrt damit die langjährige, erfolgreiche internationale Konzerttätigkeit sowie das musikpädagogische, kulturvermittelnde und kulturpolitische Engagement der Musikerin Emmy Henz-Diémand.

Ich gratuliere Ihnen im Namen der Einwohnergemeinde und der Ortsbürgergemeinde, im Namen der Bevölkerung und des Stadtrates von Aarau ganz herzlich zum Aarauer Kulturpreis 2006.

Stadtammann Dr. Marcel Guignard

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Laudatio von Prof. Dr. h.c.Daniel Fueter 

Kleine Laudatio für Emmy Henz-Diémand

Liebe Emmy
Was denkst Du jetzt wohl? Ich stelle mir vor, in Dir lächelt es. Offizielle Feiern, passen sie zu mir? So könnte es lächeln. Festreden auf eine Rebellin? Gut, ganz so schlimm bin ich nicht. Und immerhin: eine KulturpreisträgerIn. Das ist schon mal sehr gut. Und schliesslich – zum Schmunzeln gesellt sich ein kleines Nicken - : unverdient ist es nicht ganz. Ich habe geschuftet. Und viele schöne Dinge machen können, mit tollen Leuten. Wir haben immer wieder etwas ausgelöst. Und der Preis ist auch eine Anerkennung für all diejenigen, die mit mir waren. Wenn er nur nicht zu lange redet, der Fueter. So ähnlich könnte es in Dir tönen.

Liebe Emmy
Es ist merkwürdig. Wie ich mir überlegte, was heute zu sagen wäre, sah ich Dich immer vor mir. Deshalb der eigenartige Einstieg in diese Ansprache. Und dieses Faktum ergab ganz ungezwungen auch das Motto, Dich zu preisen: Deine Präsenz. Du bist von einer einzigartigen Gegenwärtigkeit, was immer Du anpackst. Du bist leibhaftig präsent, auch wenn man die schöne Pflicht hat, in Deiner Abwesenheit über Dich nachzudenken. Und jetzt das Ganze von vorn.

Sehr geehrte Damen und Herren
Ich danke für die Ehre, hier eine kleine Laudatio vortragen zu dürfen. Ich bin mir gewiss, in Ihrem Namen sprechen zu dürfen, wenn ich die Gratulation an den Anfang stelle.

Verehrte Preisträgerin, liebe Emmy Henz-Diémand
Wir alle gratulieren von Herzen zur Auszeichnung mit dem Aarauer Kulturpreis. Diese Feier macht Freude, und unsere Anwesenheit bezeugt, dass wir den Entscheid für diese Auszeichnung mit Begeisterung mittragen: sie ist in  vielerlei Hinsicht mehr als verdient, stimmig und richtungsweisend. Der Entscheid ist goldrichtig.

Sehr geehrte Damen und Herren,
Wir feiern die Preisträgerin und gleichzeitig uns selber: die Stadt, weil sie eine dermassen profilierte Musikerin in ihren Mauern weiss, wir andern, weil wir der Geehrten in verschiedenster Weise verbunden sein dürfen.

Wie auch immer diese Verbundenheit aussieht, ob sie jene der Konzerthörerin mit der geschätzten Interpretin ist, des Studierenden mit der Lehrerin, der Kulturpolitikerin mit der engagierten Künstlerin, der Mitgliederversammlung mit der überzeugenden Funktionärin, des Künstlerkollegiums mit der Visionärin: Jede und Jeder unter uns hat erlebt, mit welcher Intensität Emmy Henz jeweils anwesend, vorhanden, gegenwärtig ist. Auch wenn sie nur zuhört. Ihr Zuhören kann einen spielend übertönen. Und Jede und Jeder hat sich irgend einmal zweifellos gefragt, woher sie all diese Energie nimmt.
Sie ist vielseitig, wir wissen es alle. Vielseitigkeit braucht Kraft, erlaubt es aber gleichzeitig, sich beim Einen vom Andern zu erholen. Darin liegt aber meiner Ansicht nach nicht das Geheimnis. Eher umgekehrt: Emmy Henz-Diémand bündelt ihre Vielseitigkeit und bringt die vielfältigen Interessen und Fähigkeiten immer als Ganzes ein, welchem Spezialgebiet sie sich auch gerade zuwendet. Ihre ungewöhnliche Präsenz ist die gleichzeitige Präsenz all ihrer Facetten.
Man kann mit Emmy Henz nicht über pädagogische Konzepte sprechen, ohne dass sie die Einzigartigkeit der jeweiligen Künstlerpersönlichkeit ins Feld führt, und umgekehrt sind ihre Auftritte Konzertereignisse, welche immer auch die Art und Weise der Vermittlung, einen im weitesten Sinn pädagogischen Ansatz, mit reflektieren. Diese Vermittlung wiederum wird von ihr ganz konkret kulturpolitisch bedacht: was bedeutet Konzertieren hier und jetzt – auf dem Platz zum Beispiel wo vom Lastwagen das Klavierspiel tönt - was bedeutet es gleichsam „lokalpolitisch“. Im gleichen Atemzug aber beweist die umfeldbewusste Pianistin, die „Regionalpolitikerin“, kosmopolitischen Zuschnitt, denkt sie „global“:

Auf der Brücke zwischen einer vom französischen Esprit geprägten Ästhetik (natürlich studierte sie unter anderem in Paris) und der Ideengeschichte deutschsprachiger Kultur bewegt sie sich mit Selbstverständlichkeit. Janacek oder Crumb – osteuropäische Musikidiome und jene der neuen Welt – vertritt sie mit gleicher Vehemenz. Junge Leute aus Brasilien gehören aus ihrer Sicht gelegentlich und in einleuchtender Weise auf die Lenzburg, wie sie selbst auf das Podium in Minsk. 1991 verfocht sie  mit Erfolg, dass der Kosmopolit unter den Schweizer Komponisten, Rolf Liebermann, den Bundesbrief vertonte. Dass die Person und das Werk Ernst Widmers, dessen Schaffen aus der Spannung zwischen Aare und Amazonas sich entzündete, ihr zu einem zentralen Thema wurden, versteht sich daraus beinahe von selbst.
Und eben: All diese Aspekte sind stets präsent im Konzert, im Unterricht, im politischen Diskurs, im persönlichen Gespräch. Emmy Henz lässt sich nicht auseinanderdividieren. Sie ist ganz da und fordert vom Gegenüber auch das Ganze.
Das ist nicht immer einfach, manchmal unbequem und immer an- und aufregend. Wer sich darüber beschwert tut ihr Unrecht: schliesslich fordert sie von Andern nur ein, was sie sich selber abverlangt.
Emmy Henz hat ein Art zu denken, eine Art, die Welt zu erfahren und sich in der Welt zu bewegen, welche vor der Zeit schon auf dem Stand der Zeit war: das Erkennen und Stiften von Zusammenhängen, welches über das pure Spezialistinnen- und Spezialistentum herausgeht wird aktuellen Herausforderungen gerecht. Ihm entspricht auf der persönlichen Ebene ein Netzwerk von Beziehungen, eine Palette künstlerischer, pädagogischer und kulturpolitischer Partnerschaften, die einmalig ist und immer wieder auch Neid erweckt  oder gar verdutzt.
Dieser gewaltige Personenkreis umfasst die Nationalrätin und die unbekannte Komponistin, den kleinen Klavierschüler und den ratsuchenden Musikstudenten (ein Beispiel, allerdings um über 35 Jahre gealtert, steht vor Ihnen), den Banker und den Opernhausdirektor, die Lehrerkollegin und die Kassierin an der Billettkasse. Der Status ist nicht weiter von Belang. Entscheidend sind gemeinsame Anliegen.
Diese Ebene eines sozialen Konsens denke ich, war auch das Fundament für eine wichtige Konstante der fruchtbaren Gespräche zwischen Emmy Henz und ihrem Mann, bei denen ich als erwähnter junger Spund einige Male zuhören konnte. Zu meiner Überraschung waren dabei kulturgeschichtliche Themen ebenso bedeutsam wie die Mitbestimmungskonzeptionen im Geschäft. Es geht um Dich, um uns, es geht Dich etwas an, es geht uns etwas an. Mitarbeiterbeteiligungen und Konzertprogramme: sie interessierten gleichermassen die Musikerin und den Raumplaner.
Musik als Lebensraum, der Lebensraum als ästhetische Herausforderung. Die – pathetisch ausgedrückt – menschliche Dimension im Alltag und in der Kunst setzt die Massstäbe. Und diese menschliche Dimension konkretisiert sich für Emmy Henz wie gesagt bis heute im erwähnten grossen Kreis ihrer Freundschaften und Bekanntschaften.
Das Netzwerk hat dabei nicht den Charakter von karrierefördernde Seilschaften, bildet keinen Filz, der die eigene Befindlichkeit wohlig polstern soll, es ist eine Art Humus, auf dem sich das kreative Potenzial, welches sich aus Verbindungen und Verbindlichkeiten ergibt, entfalten, konkretisieren kann. Ideenreichtum und Unermüdlichkeit sind Resultat unzähliger Verknüpfungen. Emmy Henz selber, die über das Funktionieren des Hirns viel mehr weiss als ich, könnte das vermutlich anhand der Synapsen mit einem naturwissenschaftlichen Bild treffend erläutern.
Natürlich: Emmy Henz-Diémand verfolgt Interessen, aber es sind diejenigen, die sie als bedeutsam für Entwicklungen ansieht, die weit über ihre individuellen Begehrlichkeiten hinausgehen – beziehungsweise diesen manchmal durchaus entgegengesetzt sein können. Im Verfolgen dieser, unserer Interessen übernimmt Emmy Henz Verantwortung, Verpflichtungen, Aufgaben. Sie scheut Probleme und Konflikte nicht und schon gar nicht die Arbeit. Manchmal mutet sie sich zuviel zu, immer aber bleibt sie präsent.
Ihre Präsenz ist ein Da-Stehen,  eine Gerade-Stehen, ein Ein-Stehen für Anliegen, welches sie verantworten zu müssen überzeugt ist. So zerbrechlich sie manchmal wirken kann, sie lebt vor, dass es das gibt, was heute gerne vergessen geht: Haltung. In einer Zeit, in der für Ängstlichkeit viel Anlass ist, verdient das besondere Bewunderung.

Wenn jemand sich klar positioniert, nehmen Andere möglicherweise Anstoss daran – besonders wenn sich eine Frau zutraut, unmissverständlich zu sein.

Liebe Emmy
Recht so, denkst Du. Sie sollen sich daran gewöhnen. Und „Recht hast Du“  stimme ich zu, allerdings ganz beiläufig, denn ich bin nicht ganz so sicher, ob diese männliche Zustimmung allzu lautstark hier am Platze wäre.

Sehr geehrte Damen und Herren
Wichtig ist, dass diese Positionierung uns und Anderen immer wieder ein Stein des Anstosses in einem anderen Sinne war und ist: Anlass für wesentliche Entwicklungen. Nochmals anders gesagt: Emmy Henz-Diémand hat viele Steine ins Rollen gebracht, auch schwere Steine, die für alte Gewohnheiten stehen, die Bewegung fürchten. Wir verdanken ihr viel.
Und dieser Dank sei ausgesprochen. Ich beginne bei dem, was mir doch das Naheliegendste zu sein scheint. Ihre Präsenz hat natürlich mit dem Präsens zu tun: mit dem jeweils gegenwärtigen kompositorischen Schaffen immer wieder und immer in ganz persönlicher Auseinandersetzung, und mit der musikalischen Zukunft im Sinne der Kreation und der Vermittlung, konkreter gesagt der musikalischen Bildung.
Wenn ein Kern in der Vielfalt auszumachen sein soll, der gleichsam das Gravitationsfeld herstellt, welche alle anderen Aspekte versammelt, ist er hier zu suchen: Die gelernte Interpretin Emmy Henz-Diémand ist eine gegenwartsbezogene Vermittlerin, vermittelt auftretend Musik, vermittelt unterrichtend ihr eigenes Handwerk. Hier ist der Ausgangspunkt eines Lebensweges mit ganz vielen Verzweigungen, die dann und wann Umwege höchstens in dem Sinn waren, dass sie Orientierung ermöglichten.
So danken wir zuerst für ungezählte Konzerterlebnisse – als Hörerinnen und Hörer, als musikalische Partnerinnen und Partner, ob komponierend, ob interpretierend - , wir danken für eine Fülle von Ton- und Bildaufzeichnungen der pianistischen Arbeit, die zu wichtigen und unvergleichlichen Dokumenten geworden sind. Und wir danken als Schülerinnen und Schüler für Wegleitungen, für Anleitung und Begleitung, ob als Jugendliche in der Ausbildung oder als Ältere in der Weiterbildung, ob instrumentenbezogen, auf Interpretation gerichtet oder im Hinblick auf didaktische und methodische Fragestellungen.
Wir danken weiter für eine unüberschaubare Anzahl konzeptioneller Arbeiten, welche Konzertzyklen, inter- und transdisziplinäre Veranstaltungen, wechselnde Formen kulturellen Austausches und einzigartige Projekte ermöglichten. Wir danken für verschiedenste bildungs- und kulturpolitische Initiativen, welche das aargauische und das schweizerische Musik- und Kulturleben prägten und ausstrahlten weit über unsere Grenzen hinaus. Wir danken für Solidarität und Freundschaft, persönliches Engagement und Treue, welche sie uns Einzelnen gegenüber in verschiedenartigster Weise bewiesen hat. Und endlich danken wir Emmy Henz-Diémand für ihre Präsenz, wie ich sie zu skizzieren versuchte. Diese Präsenz, obwohl möglicherweise unnachahmlich, ist uns Vorbild und macht uns Mut.

Liebe Emmy
Deine Gedanken sind während meiner Festansprache auch eigene Wege gegangen. So ganz genau war es nicht, hat es da vielleicht in Deinem Kopf geheissen, oder: Stimmt, da habe ich doch übermorgen einen Termin. Lustig, hast Du vielleicht gedacht, das scheint von aussen gesehen wichtig zu sein, und dabei lag mir etwas Anderes mehr am Herzen. Ich hoffe natürlich, dass Du zwischenhinein auch dachtest: Er hat sich wirklich Mühe gegeben. Denn das stimmt. Aber mehr noch: Ich bin stolz, dass ich hier reden durfte, und ich danke Dir auch dafür. Ich empfinde es als Auszeichnung und wollte Dir das auch noch sagen. Und jetzt will ich Deine Geduld nicht noch länger strapazieren. Also:

Sehr verehrte Damen und Herren
Wir sind stolz auf die Preisträgerin, freuen uns dankbar ihrer Präsenz und freuen uns besonders, weil wissen, dass diese Präsenz über den heutigen Tag unvermindert ihre Wirkung tun wird. Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

Prof. Dr. h.c.Daniel Fueter 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Kurzlaudation von Prof. Jakob Stämpfli

Kulturpreis Emmy Henz-Diémand

Kultur – meine Damen und Herren – ist ein weites Feld. Sie haben in den brillanten Ausführungen meines Kollegen Daniel Fueter davon gehört, womit sich Emmy Henz ihren Preis verdient hat. Es gibt aber nicht nur eine Kultur der Musik sondern auch die Kultur positiven Denkens und Handelns oder anders gesagt: die Kultur des Optimismus.

Als ich Direktor der Musikhochschule und des Konservatoriums Bern wurde, hörte ich täglich mehr als 30 mal den Satz „DAS GEHT DOCH NICHT“. Als Reaktion darauf blieb einzig der Hinweis, dass wir in der Pflicht stehen, es „gehen zu machen“ oder zumindest es zu versuchen.
Genau den erwähnten Satz hörte ich wiederum von allen Seiten im Zusammenhang mit den Plänen zur Gründung einer Schweizerischen Akademie für Musik und Musikerziehung.

Es gab und gibt eine Ausnahme: Emmy Henz.
Sie strahlte und verbreitete hartnäckig die feste Überzeugung: wir schaffen es! Und steckte damit ihre ganze, kleingläubige Umgebung an.
Auch bei Studierenden, denen Handwerk und Musikalität nicht kübelweise vom gütigen Schicksal zugespült worden waren, versteht sie es, mit liebevoller Geduld und grossem Vertrauen Vorhandenes zum wachsen, blühen und gedeihen zu bringen. Nicht die Verachtung der weniger Begabten, sondern die erwähnte Einstellung sind ihr Leitbild, Mission und Schlüssel zum Erfolg.
Automotoren bringt man mit einer Turbine zu geballter Leistung, der Henz’sche Optimismus gepaart mit der Offenheit zum Unkonventionellen war und ist unser TURBO beim SMPV, speziell im Umfeld der Akademiegründung.
Wir beglückwünschen nicht nur Emmy Henz zu ihrem Kulturpreis, sondern ebenso die aargauischen Behörden, welche einmal mehr das richtige Gespür für eine glückliche und verdiente Auswahl der Preisträgerin bewiesen.
Der Schweizerische Musikpädagogische Verband dankt Emmy Henz ebenso wie dem Kanton Aargau und der Stadt Aarau und hofft auf eine weiterführende, glückliche zukünftige Zusammenarbeit.

Prof. Jakob Stämpfi

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Eine Laudatio einer ehemaligen Schülerin, Irene Näf-Kuhn

Sie ist ein Farbtupfer, nein, eine ganze Farbpalette, schillernd, irisierend, polarisierend, abtauchend und wieder auftauchend, eine Künstlerpersönlichkeit und eine Frau. Guy Krneta fragte sich nach der ersten Kulturpreisverleihung vor einem Jahr bange, was nach Urs Heller wohl noch kommen könnte. Eben Emmy.

„Hesch weder emol öppis vom Emmy ghört?“ wurde ich immer wieder gefragt. Manchmal war ich der Frage überdrüssig, hatte ich doch längst meinen eigenen Weg eingeschlagen. Als mir die Frage vor ein paar Monaten zum letzten Mal gestellt wurde gab ich aber gerne Auskunft und erzählte, wie sich Emmy für die neue „Schweizer Akademie für Musik und Musikpädagogik“ engagiert habe oder wie sie ein flammendes Plädoyer für die Aarauer Kultur im Rahmen der Veranstaltung „Blickpunkt Kultur“ im KiFF abgegeben habe. Ihre Suche nach immer neuen Herausforderungen, sei es im Erforschen neuer Klavierliteratur, sei es in der Musikvermittlung oder im kulturpolitischen Bereich flösst nicht nur mir Respekt ein und gibt ihr etwas Zeit- und Rastloses. Sie könnte sich längst zurück lehnen und sich am Geleisteten freuen. Emmy wäre aber nicht Emmy, wenn sie sich nicht einmischen würde. Sie kann gar nicht anders, irgendwie ist ihr ein revolutionärer Geist angeboren. Sie konnte über die Schwerfälligkeiten des politischen Systems lamentieren und sich aufregen ab der Behäbigkeit gewisser kultureller Institutionen. Sie hatte aber immer dasselbe Ziel vor Augen: die Sensibilisierung der Gesellschaft. Und im Hintergrund war da immer die Liebe zur Stadt Aarau und ihren Menschen.

Ich lernte sie vor 37 Jahren kennen, ich war damals 10 Jahre alt und suchte eine neue Klavierlehrerin. Ich spielte ihr die „Sonata facile“ von Mozart vor und sie nahm mich als Schülerin mit der Bedingung, Mozart vorerst auf der Seite zu lassen und dafür Band 1 und 2 aus dem Bartok-Mikrokosmos sowie die Wolfer-Klavierschule zu kaufen. Knochentrockene Klavierliteratur statt Mozart. Im Rückblick war dies ein erstes Zeichen gewesen ihrer bedingungslosen Haltung zu künstlerischer Konsequenz, die heute ihre hoch verdiente Anerkennung in Form der Verleihung des Kulturpreises der Stadt Aarau 2006 findet.

Fortan begleitete mich „Frau Henz“ bis zum Diplom und sie hat mir nebst einer fundierten klaviertechnischen Ausbildung vor allem eines mitgegeben: den Mut zu einer eigenständigen künstlerischen Haltung. Sie selber suchte nie den einfachen Erfolg und stiess oft auf Widerstand und Unverständnis, vermochte aber durch ihre „liebevolle Kompromisslosigkeit“ wie ich diese Eigenschaft nennen würde immer wieder, andere zu motivieren und für ausgefallene Projekte zu begeistern. Sie bescherte dadurch der Stadt Aarau manch denkwürdiges Ereignis. Wann ausser 1984 hat der ehrwürdige Saalbau schon 8 Flügel auf einmal gesehen, die mittels Kran ins Foyer gehievt wurden? Oder als im Bach-Jahr1985 Johann Sebastian himself den Aarauer Markt unsicher machte? Oder 1988, als Maurizio Kagel und viele prominente Kollegen der Neuen Musikszene im Kunsthaus einander die Klinke in die Hand gaben? Oder als im Kasinopark Emmy mit dem Musigcharre auffuhr (ein Vorläufer ihres etwas gestylteren MobilOtons)? Es gab auch Rückschläge: Schwer zu schaffen machte ihr der Tod eines seelenverwandten Freundes, Ernst Widmer. Der Komponist mit Aarauer Wurzeln wirkte erfolgreich in Brasilien, ehe er viel zu früh verstarb. Emmy reiste fortan immer wieder nach Salvador de Bahia und versuchte, Widmers Vermächtnis zu ordnen und seine Werke in der Schweiz bekannt zu machen. Diese Mission ist noch lange nicht abgeschlossen, auch sonst gibt es weitere Werke zu entdecken, Emmy wird sie einstudieren. Die Kulturpolitik ist weiter im Wandel, Emmy wird sich dazu äussern. Jugendliche wollen an die Musik heran geführt werden, Emmy wird ihnen Türen öffnen, unermüdlich, mit ihrer unverwechselbaren Art, mit der ewig gleichen Frisur, aber mit innerem Erneuerungsdrang. Und sie wird mit Modest Mussorgsky einig gehen der sagt: „Das Leben, wo immer es sich äussert, die Wahrheit, wie bitter sie auch sei, die furchtlose, aufrichtige Rede von Mensch zu Mensch, das ist meine Art, das ist es, was ich will, und dieses Ziel zu verfehlen täte mir weh“.

Irene Näf-Kuhn
 

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