Aarauer Kulturpreis für Max Matter

Der fünfte Aarauer Kulturpreis wird an Max Matter verliehen. Die Stadt Aarau würdigt damit Matters langjähriges und vielfältiges Kunstschaffen in Aarau. Die Verleihung des Aarauer Kulturpreises findet am 26. Juni 2009 im Garten des "Haus zum Schlossgarten" statt.

Dass die Wahl für die Verleihung des Aarauer Kulturpreises schon bald einmal auf Max Matter fallen würde, mag nicht sonderlich erstaunen. Der in Aarau geborene und aufgewachsene Künstler wirkte über Jahre in der Kantonshauptstadt und belebte damit die Kunstszene weit über die städtische Grenze hinaus. Kennzeichnend für sein alles andere als homogenes Gesamtwerk, welches von „Kunst am Bau“-Arbeiten über Objekte, Bilder, Fotoarbeiten und Tiefdrucke bis zu Kunstbüchern reicht, sind die Beziehungen zwischen künstlerischer Vision und naturwissenschaftlichen Systemen. Schon in seinen Kinderträumen habe Matter sich den Künstler immer als einen Forscher vorgestellt, berichtete die NZZ in einem Kommentar über seine Bilder aus den Achtzigern. Und mit diesem Forscher habe es eine besondere Befugnis auf sich, es sei nämlich einer, der die Spielregeln selber bestimmen darf, nach denen er sucht und findet.

 Matters Gesamtwerk lässt sich nicht als einheitliches Opus darstellen. Zu unterschiedlich und zu eigenständig sind die einzelnen Werke. So zum Beispiel verkörpert die 24 Meter hohe Goldstele vor dem Bundesamt für Messwesen (metas) in Wabern, wie Matter selbst erläuterte, einen Massstab, „der in seinen Dimensionen auf zeitliche und mit seiner Oberfläche auf geistige Inhalte verweist“. Oder Matter verschafft einem Werk aus neun quadratischen Seidenpapieren von je 100 x 100 Zentimetern durch Animation einen Zeithorizont. Die mit injizierten Farben getränkten Papiere weisen eine allseitige Farbpräsenz auf, wodurch jedes einzelne Blatt verschoben, rotiert und gewendet werden kann. Daraus entstehen 48,7 Billionen Möglichkeiten dieses Werk zu präsentieren, so dass man sein gesamtes Potential nie überblicken könnte. Ein Film dieser Animation, deren Bilder bei einer Geschwindigkeit von je einer Zehntelsekunde wechseln, dauert rund 50'000 Jahre. Er ist einsehbar unter www.proargovia.ch/3x3/index.html.

Max Matter - einer der legendären „Ziegelrainer“
Als einer der Künstler der Ateliergemeinschaft „Ziegelrain“, die von 1967 bis 1975 wirkte, machte sich Max Matter in Aarau schon früh einen Namen. Die jungen „Ziegelrainer“ waren bekannt dafür, dass sie sich von den zu dieser Zeit vorherrschenden Ideologien in der Kunst nicht vereinnahmen liessen,  und dass sie sich von den Leitfiguren der GSMBA Aargau (Gesellschaft Schweizer Bildhauer Maler und Architekten) distanzierten. „Die Leute im Aargau hatten ein Bild von uns und vom „Ziegelrain“, ohne wirklich zu wissen, was wir machten“, so Matter. Mehr als dreissig Jahre später, im Jahr 2006, wurde der Bevölkerung das umfassende Schaffen der „Ziegelrainer“ in einer Retrospektive präsentiert und gebührend gewürdigt. Anscheinend genau der richtige Zeitpunkt, denn plötzlich begeisterte der Pop der 70er Jahre auch die breite Bevölkerung.   

 

Wandlungsfähiger Werklauf
In zwei Einzelausstellungen 1983 und 1995 im Aargauer Kunsthaus wurde das Werk von Max Matter gezeigt, ein Werk, das er bis heute kontinuierlich weiterentwickelte bis hin zu den aktuellen grossformatigen Injektionen und Infusionen in Japanpapiere oder den Lichtinjektionen in unbelichtetes Filmmaterial. Seine nächsten öffentlichen Auftritte wird er mit den Ausstellungen unter dem Titel „Portraits SX-70 1978-82“ vom 24. Oktober bis 21. November im „Goldenen Kalb“ und vom 28. November 2009 bis 21. Februar 2010 im Kunstmuseum Solothurn haben, wobei die Solothurner Präsentation aufzeigen soll, dass in der formalen Unterschiedlichkeit der Werke durchgehende Leitthemen ersichtlich sind.

Kurzbiographie:
Der 1941 geborene Max Matter wuchs in Aarau auf und ging hier zur Schule. Als freischaffender Künstler und Kantonsschullehrer für bildnerisches Gestalten an der Alten Kantonsschule war sein Wirkungs- und Arbeitsort stets Aarau. Auch während der 32 Jahre, während der er an der Kantonsschule in einer 100-Prozent-Stelle unterrichtete, erlitt sein Werk keine Brüche. Im Gegenteil: Max Matters Gesamtwerk zeichnet sich durch Konstanz und Überregionalität aus. Mit Blick zurück ist der Künstler heute überzeugt, dass gerade die Kombination der gelebten künstlerischen Freiheit und des sicheren Broterwerbs für ihn ideal war. Es entstanden Synergien, ohne dass es zu einer inhaltlichen Überlappung der beiden Bereiche gekommen wäre.

www.maxmatter.ch


Die Kulturpreis Verleihung findet am 26. Juni 2009, um 19.00 Uhr im Garten des "Haus zum Schlossgarten" (Schlechtwettervariante: im Haus zum Schlossgarten) statt.

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