Festreden
Nachfolgend finden sich die Festreden des Maienzugs 2025 (es gilt das gesprochene Wort).
Begrüssungsrede Bankett – Silvia Dell'Aquila
Liebe Aarauerinnen und Aarauer,
liebe Besucherinnen und Besucher unserer schönen Stadt,
liebe Gäste, liebe Ehrengäste, liebe maienzugverrückte Menschen
Tagelang haben wir gebangt: Wird es regnen? Wird ein Gewitter unser schönes Fest zunichtemachen oder gar ein Sturm über Aarau ziehen? Wird die Morgenfeier abgesagt, oder für ungefähr die Hälfte der heute Anwesenden auch das Bankett? Die andere Hälfte hat sich gefragt: Müssen wir in die Halle oder ergattern wir wenigstens noch einen Platz im Zelt? Ausser natürlich unsere Ehrengäste – die hätten einfach keine Wahl gehabt. Umso schöner ist es, dass uns das Wetter keinen Strich durch die Rechnung macht und wir heute gemeinsam feiern können – und das sogar bei etwas milderen Temperaturen.
Wir haben einen wunderschönen Umzug erlebt: mit fröhlichen Kindern – und einigen wenigen etwas mürrischen (meist Teenager-)Gesichtern, die gehören einfach dazu. Viele Menschen standen am Strassenrand, haben gewunken und applaudiert. An der Morgenfeier wurde gesungen und getanzt, dass es eine Freude war. Und jetzt sitzen wir hier: rund 5400 Menschen, die am Bankett gemeinsam den Maienzug feiern. Besonders freut es mich, dass endlich wieder alle, die dabei sein wollten, auch wirklich dabei sein können.
Der Maienzug heisst übrigens genau seit 100 Jahren offiziell so. Vorher war es ein Jugendfest – wie es viele in unserem Kanton gibt. Doch natürlich ist unser Jugendfest ein besonderes – da wollen wir Aarauerinnen und Aarauer uns nicht mit anderen vergleichen. Alle anderen haben Jugendfeste, wir haben den Maienzug! Sehr zur Verwirrung von ChatGPT und Deepseek, die das Fest gerne mal im Mai verorten – und manchmal auch in Baden.
Dieses Jahr gab es nur kleine Änderungen: Das Familienbankett ist an einen etwas schattigeren Platz umgezogen – wir hoffen, das gefällt Ihnen. Nachgeholfen haben wir mit dem Wein, der nun auch am Familienbankett inklusive ist – man muss es jetzt einfach gut finden! Und es gab eine Änderung beim Fleischmenü – ich hoffe, es mundet Ihnen.
Und wenn mal etwas nicht so rund läuft oder nicht perfekt ist, dann lassen wir das «Föifi» grad stehen. Hinter allem, was Sie sehen und erleben, stehen Menschen, die dafür sorgen, dass möglichst alles reibungslos abläuft. Manchmal passieren Fehler, wie überall. Und meistens ist das kein Weltuntergang.
Stellvertretend für alle Menschen, die den Maienzug zu dem machen, was er ist, möchte ich die Maienzugkommission zu mir bitten und mich herzlich bedanken:
- Simone Balmer, für die Koordination im Gastro-Bereich.
- Stefan Berner, auch bekannt als «Mr. Maienzug», und die ganze Stadtkanzlei – für all die Aufgaben, von denen kaum jemand weiss, dass es sie gibt. Er kennt jedes Detail rund um den Maienzug und ist für mich und uns eine grosse Unterstützung.
- Madlaina Bundi, die für die Technik zuständig ist und die Organisation der Angebote für die Schulkinder am Freitagnachmittag wie auch das Musikprogramm, gemeinsam mit Peter Roschi. Und wenn wir schon bei der Musik sind, stellvertretend für alle Musikgesellschaften danke ich unserer Stadtmusik sehr herzlich für ihren Beitrag an den Maienzug. Es ist immer eine Freude, euch zuzuhören.
- Dean Fuss und das Kommunikationsteam der Stadt Aarau – damit alle wissen, wann was passiert, und wir schöne Erinnerungen in Form von Bildern und Texten behalten.
- Eva Lapostolle und das ganze Blumenteam – danke für die Girlanden und den Blumenschmuck in der ganzen Stadt. Ebenfalls ein herzliches Dankeschön gilt allen, die die Brunnen auf eigene Initiative schmücken!
- Adrian Lischer, für die Koordination im Bereich Sicherheit. Und mit ihm danke ich den Stadtpolizistinnen und Stadtpolizisten und den Angehörigen der Feuerwehr für ihren grossen Einsatz auch am Maienzug.
- Lukas Schaffner, verantwortlich für die schulischen Aktivitäten rund um den Maienzug, gemeinsam mit Barbara Krüttli und Markus Moor. Ich danke für die Organisation der Morgenfeier und die Unterstützung bei den Schulaktivitäten. Natürlich danke ich auch allen Lehrpersonen unserer Schulstandorte in Aarau – für ihr grosses Engagement am Maienzug und das ganze Jahr über für unsere Kinder.
- Und nicht zuletzt Regina Wenk und allen Mitarbeitenden des Werkhofs: Ohne euch könnte dieses Fest gar nicht stattfinden.
Danke an die ganze Maienzugkommission für ihre grosse Arbeit rund um dieses Fest!
Es gibt natürlich noch viele andere, die mithelfen: Das ganze Team von Aarau Info. Danke für eure Begeisterung für den Maienzug, die ihr in Form von Produkten und Aktivitäten weitertragt. Ein besonderer Dank gilt Irene Brantschen für die grosse Unterstützung beim Vorverkauf der Bankettkarten und an Agnes Henz für die Brunnenführungen.
Mein Dank geht auch an alle, die neben den offiziellen Teilen den Maienzug bereichern: allen, die beim Vorabend mitwirken, dem OK des Chrutwäje und dem Vorstand des MaienzugZELT.
Und natürlich gibt es noch viele mehr, die dieses Fest zu dem machen, was es ist. Jeder Beitrag ist wertvoll und hält den Maienzug lebendig. Und solange der Maienzug lebendig bleibt, bleibt es auch unsere Stadt. Denn diese Momente, in denen wir zusammen feiern, machen uns zu einer Gemeinschaft, die zusammenhält und das macht unsere Stadt Aarau aus.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen wunderschönen Maienzug und übergebe das Wort unserem Stadtpräsidenten für seine Festrede.
Happy Maienzug!
Festrede – Dr. Hanspeter Hilfiker
Liebe Aarauerinnen und Aarauer
Liebe Gäste, liebe Festgemeinde
Es freut mich, dass ich Sie, auch im Namen des Stadtrats, hier auf dem Maienzugplatz zum diesjährigen Maienzugbankett begrüssen darf.
Zu allererst möchte ich unsere Gäste herzlich begrüssen und all jenen danken, die an der Organisation des Maienzug 2025 beteiligt waren.
Es freut mich, dass heute unsere Standesvertretungen in Bern, Ständerätin Marianne Binder und Ständerat Thierry Burkart anwesend sind; herzlich willkommen sind auch die Nationalrätinnen Irène Kälin und Gabriela Suter, Landstatthalter Stephan Attiger, Regierungsrätin Martina Bircher, Staatsschreiberin Joana Filippi, die Vertreterinnen und Vertreter des Grossen Rates des Kantons Aargau, unserer Nachbargemeinden, der kantonalen Verwaltung, der Betriebe und der Gerichte.
Ein besonderer Gruss geht an die diesjährigen Ehrengäste der Stadt Aarau: an Maja Riniker und an Florian Riniker. Als Nationalratspräsidentin ist Maja Riniker für ein Jahr die höchste Schweizerin, eine grosse Ehre für unseren Kanton und für unsere Region. Gerne erinnern wir uns an den 4. Dezember 2024, an die Präsidiumsfeier, die nicht nur in Murgenthal und in Eurer Wohngemeinde Suhr stattgefunden hat, sondern auch in Aarau, in der Stadtkirche und im KuK. Mit der Feier im Dezember hast Du, liebe Maja, hohe Erwartungen geweckt; und diese Erwartungen hast Du – ich denke, das können wir nach der Hälfte Deiner Amtszeit problemlos feststellen – in jeder Beziehung erfüllt und übertroffen. In den vergangenen Monaten hast Du nicht nur unser Parlament souverän durch die Nationalratsdebatten geführt und unser Land national und international kompetent und sympathisch repräsentiert. Nein, Du bist auch als perfekte Botschafterin unseres Kantons und unserer Region aufgetreten; natürlich in Bern, aber eben auch im ZDA, im Kunsthaus, an Wirtschaftsforen oder an Festanlässen im ganzen Land, wie heute am Maienzug: Maja Riniker bringt der ganzen Schweiz unseren Kanton und unsere Hauptstadtregion näher. Schön, dass Ihr beide Euch heute Zeit genommen habt, unser höchstes Aarauer Fest als Ehrengäste zu bereichern. Vielen Dank! Weiterhin viel Erfolg in Deinem Amt und heute vor allem viel Freude mit Freundinnen, Freunden und Bekannten.
Wie immer am Maienzug, ist mir wichtig, nicht nur die Gäste zu begrüssen, sondern all jenen zu danken, die zum Gelingen unseres Festes beigetragen haben. Konkret:
- Den Männern und Frauen des Werkhofs für die sehr intensiven Vorbereitungsarbeiten und für die saubere Stadt,
- der Polizei, und zwar der Stadt-, der Kantons- und der Militärpolizei für die Gewährleistung der Sicherheit,
- den Verantwortlichen des Vereins Gastro Altstadt für die reibungslose Durchführung des Vorabends,
- den Schulen, den Lehrerinnen und Lehrern, den Schulleiterinnen und Schulleitern sowie allen Kindern und Jugendlichen für ihr Engagement,
- den Musikkorps für die musikalische Begleitung von Umzug und Festplätzen,
- dem Blumenteam für die wunderbar geschmückten Brunnen und Tore,
- den Gestalterinnen und Gestaltern des Maienzug-Programms und der Morgenfeier,
- und natürlich der Maienzugskommission unter Leitung meiner Stadtratskollegin Silvia Dell'Aquila – herzlichen Dank allen.
Bereits zum dritten Mal in Folge dürfen wir heute einen Maienzug bei bestem Wetter feiern. Die Aussichten waren im Verlauf der vergangenen Woche nicht immer rosig; schön, dass sich die Schönwettervariante durchgesetzt hat. Der gestrige Abend ist bestens über die Bühne gegangen, heute Morgen konnten wir einen wunderbaren Festumzug geniessen, eine stimmungsvolle Morgenfeier und gerade ein ausgezeichnetes Mittagessen; sogar die Bankettreservationen haben diesmal fast problemlos geklappt. Das Wetter stimmt, das Bankett läuft und die Sommerferien stehen vor der Tür. Was wollen wir mehr.
Und seien wir ehrlich, verglichen mit den weltweiten Turbulenzen, Unruhen, ja Kriegen, geht es uns hier in der Schweiz und in unserer Region ausgezeichnet. Natürlich gibt es Themen, die in der Öffentlichkeit intensiv diskutiert werden. Meist geht es dabei nicht um fundamentale Gegensätze sondern um unterschiedliche Sichtweisen von gewissen Aspekte.
Und diese Sichtweisen sind für unsere Alltagspolitik entscheidend. Wenn ich die vergangenen Monate Revue passieren lasse, könnte ich über viele Entwicklungen frustriert oder zumindest enttäuscht sein. Einige Beispiele:
- In der Schulraumplanung für die Oberstufe ist zum Einwohnerratsentscheid eine Stimmrechtsbeschwerde eingegangen, zum Entscheid der Ortsbürgergemeinde wird ein Referendum vorbereitet.
- Im Torfeld Nord musste der Entwicklungsprozess aufgrund von fehlenden Zustimmungen Einzelner vorläufig sistiert werden.
- Bauprojekte wie der Kindergarten Goldern werden über die Forderung nach neuen Abklärungen in eine Ehrenrunde geschickt.
- Die Sicherheitslage am Bahnhof wird von vielen weiterhin als kritisch empfunden.
- Der Maienzug-Vorabend wäre – Medienberichten zufolge – offenbar fast gescheitert.
- Der Weihnachtsmarkt ist abgesagt.
- Grosse Sporthallenprojekte werden als zu teuer erachtet, vom Kanton verzögert oder die vorgeschlagenen Finanzierungsformen passen nicht...
- Und der FC Aarau ist wieder nicht aufgestiegen...
Das sieht nach vielfältigen Problemen aus.
Genauso gut kann ich mich bei denselben Themen aber auch über erreichte Entwicklungen freuen:
- Im Schulraumbereich ist beispielsweise ein breiter Konsens gelungen, dass zwei Aarauer Standorte, im Zelgli und in der Telli, sinnvoll sind.
- Im weiteren Torfeld Nord werden erste Wohnbauten realisiert und in vielen Bereichen besteht Einigkeit über die Entwicklungsrichtung.
- Unsere Bauprojekte im Herosé, in der Aarenau oder im Roggenhausen sind auf Kurs und können planmässig bezogen und im Kostenrahmen abgeschlossen werden.
- Das Bahnhofareal ist im Wandel; die SIP ist verstetigt, der Aarauerhof steht vor einer Gesamtsanierung und der Austausch mit allen Stakeholdern ist etabliert.
- Bei den Sporthallen haben die verschiedenen Projekte zu einem breiteren Bewusstsein geführt, dass grosse Investitionen notwendig sind, und dass – wenn wir «alles» wollen, das heisst Raum für möglichst alle Vereine UND erfolgreiche Spitzenvereine, vielleicht auch wirklich «alle» Optionen beispielsweise der Finanzierung zu prüfen sind.
- Schliesslich hat auch der Maienzug-Vorabend funktioniert, selbst wenn der Einbahnverkehr etwas gewöhnungsbedürftig ist – und die vielen Sicherheitsvorgaben manchmal den Eindruck erwecken, als ob die Kapo den Maienzug als Experimentierfeld für Sicherheitsmassnahmen «missbraucht».
- Und beim Weihnachtsmarkt: ich denke, da haben wir noch etwas Zeit für eine Lösung...
Insgesamt sind unsere Projekte aber mehrheitlich gut auf Kurs. Und darum geht es: Politische Diskussionen sollen durchaus kontrovers sein, Meinungen sollen ausgefochten und demokratische Instrumente eingesetzt werden. Wichtig bleibt, dass alle Teilnehmenden fair bleiben, dass die Sache im Fokus steht, und dass nach tragfähigen Lösungen gesucht wird. Nur auf diesem Weg kommen wir weiter. Und zwar in allen Themenbereichen. Aarau hat gerade in den vergangenen Jahren diesbezüglich eine gute Diskussionskultur bewiesen. Das soll so bleiben.
Und wer bei diesen Diskussionen aktiv mittun will, den oder die lade ich gerne ein, diesen Herbst an den Wahlen in die Gemeindebehörden teilzunehmen. Wir alle freuen uns schon jetzt auf die vielen, vielen bunten Plakate, die ab Anfang August unsere Strassen, Freiflächen und Geländer zieren werden.
Aber eben, erst ab Anfang August. Jetzt und heute wollen wir den Maienzug geniessen und deshalb will ich auch gar nicht länger werden; sondern noch einmal unseren Ehrengästen, Maja und Florian Riniker, danken, dass sie den heutigen Tag mit uns verbringen; uns allen eine erholsame Sommerzeit wünschen und mit Ihnen allen auf einen wunderschönen Maienzug 2025 anstossen: en schöne Maiezog mitenand!