Neujahrsansprache Stadtpräsident Dr. Hanspeter Hilfiker
Anlässlich des Neujahrsanlasses «Auf die Pferde, fertig, Tor!» am 1. Januar 2025 im Kultur & Kongresshaus Aarau hielt Stadtpräsident Dr. Hanspeter Hilfiker seine diesjährige Neujahrsansprache. Nachfolgend findet sich die Rede im Wortlaut.
Meine Damen und Herren
Liebe Aarauerinnen und Aarauer, liebe Gäste
Es freut mich, dass ich Sie heute Abend hier in unserem Kultur- und Kongresshaus – auch im Namen des Aarauer Stadtrats – zum traditionellen Aarauer Neujahrsanlass begrüssen darf. Zuallererst wünsche ich Ihnen allen herzlich alles Gute, viel Glück und beste Gesundheit im neuen Jahr 2025!
Ein weiteres Mal durften wir heute Nachmittag Quartiere in unserer Stadt genauer kennenlernen. In diesem Jahr das Torfeld, nördlich und südlich der Bahnhlinie, inklusive des heutigen Aeschbach-Areals, sowie das nordwestlich angrenzende Rössligut. Wieder gab es viel Spannendes zu sehen.
Ich danke allen herzlich, die an der 24. Austragung unseres Anlasses mitgearbeitet haben, insbesondere jenen, die sich für das Nachmittagsprogramm gemeldet und die elf Angebote vorbereitet und betreut haben.
Ein besonderer Dank geht an die Neujahrskommission, die unter der Leitung meiner Kollegin Angelica Cavegn Leitner alles organisiert hat. Vielen Dank Euch allen.
Wenn wir auf das vergangene Jahr zurückblicken, hat 2024 für uns ja recht turbulent begonnen. Sie erinnern sich:
- Am Bahnhof hatten sich Messerstechereien ereignet, die Gesamtlage wurde als unsicher empfunden;
- an der Kasinostrasse und an der Bahnhofstrasse mussten wir Kritik einstecken für die Testbetriebe der neuen Verkehrsführungen;
- und schon früh im Jahr hat sich abgezeichnet, dass die Finanzen nicht mehr ganz im Lot sind, weil insbesondere die Steuereinnahmen nicht mehr so problemlos flossen, wie in den Vorjahren.
Ich denke, dass wir im Verlauf des Jahres bei all diesen Themen – und bei den meisten der vielen anderen Aufgaben, die wir bearbeitet haben – gute Fortschritte erreichen konnten.
- Am Bahnhof etwa, haben wir, gemeinsam mit allen Involvierten – das heisst mit den Sicherheitsorganen, mit den Liegenschaftsbesitzenden, mit den Gewerbetreibenden und mit den Anwohnenden – Gespräche geführt und verschiedenste Massnahmen umsetzen können. Diese reichen von neuen Möblierungen innerhalb und ausserhalb des Bahnhofs, über erhöhte Präsenzen der verschiedenen Polizeien und Sozialeinrichtungen, bis zu baulichen Massnahmen, etwa hellerem Licht oder Verschiebungen von Anziehungspunkten wie Aschenbechern oder Sitzgelegenheiten. Aktuell ist die Situation recht unauffällig; wir alle hoffen, dass das so bleibt.
- An der Kasinostrasse konnten wir – mit etwas Verzögerung, aber doch rechtzeitig vor dem Weihnachtsgeschäft – den Durchgangsverkehr herausnehmen, was zu einer verbesserten Zufahrt zu und Wegfahrt von den Parkhäusern geführt hat. Auf die definitiven Auswertungen des gesamten Testbetriebs, die nun anstehen, dürfen wir gespannt sein.
- Und schliesslich haben wir im Bereich der Finanzen, gemeinsam mit Stadtrat, Einwohnerrat und Verwaltung ein Budget erstellen können, das weder ein Spar- noch ein expansives Budget war, von der Bevölkerung aber mit über 85 Prozent Ja-Stimmen angenommen wurde.
Generell zeigt das, dass wir in der Lage sind, auch bei schwierigeren Rahmenbedingungen pragmatisch mehrheitsfähige Lösungen zu finden.
Damit dies gelingen kann, braucht es eine offene Sicht auf die Themen, den Willen zur Zusammenarbeit über alle Interessengrenzen hinweg, aber auch langfristige Strategien, die immer wieder reflektiert und angepasst werden.
Nur wenn diese Elemente zusammenspielen, können wir uns auch langfristig positiv entwickeln und bewegen uns in der Tagespolitik nicht nur kurzfristig von Aktualität zu Aktualität.
Gerade der heutige Tag eignet sich gut dafür, wieder einmal zu überlegen, ob wir uns in Aarau auch längerfristig in eine gute Richtung bewegen. Denn mit dem heutigen 1. Januar ist das für uns doch eigentlich «junge» 21. Jahrhundert bereits zu einem Viertel vorüber…
Mögen Sie sich noch erinnern, wie es in Aarau vor 25 Jahren ausgesehen hat; am 1. Januar 2000? Der Bahnhof hat zu vielem eingeladen, einfach nicht zum Verweilen oder zum Einkaufen; die Altstadt war belebt, aber mit Verkehr und nicht als Aufenthalts- und Veranstaltungsort; bestenfalls zum Kerzenziehen in einem kalten Zelt auf dem leeren Areal auf dem heute die Markthalle steht; das Aareufer hatte kaum Freizeit-Infrastrukturen zu bieten, ausser der Voliere auf der Kraftwerksinsel, und im Torfeld Süd wurden in die Jahre gekommene Liegenschaften zwar weiterhin genutzt, standen aber vor einer ungewissen Zukunft. Das sind nur einige Beispiele.
In den vergangenen 25 Jahren hat sich in Aarau einiges getan:
- Wir haben mit der Altstadt, dem Bahnhofsgebiet, mit der Aarenau und mit dem Aeschbachareal ganze Quartiere vollständig neu gedacht oder umgenutzt. Die Hochparterre-Sondernummer, die wir im November 2024 publizieren durften, zeigt diese Entwicklungen besonders eindrücklich und gibt einen Ausblick auf die nächsten Siedlungsentwicklungen.
- Weiter haben wir uns als Stadt mit praktisch allen grossen nationalen Festen, zuletzt mit dem Turnfest 2019, auf nationaler Ebene positioniert. Im nächsten Juni übergeben wir die Fahne des Turnverbands an unsere Nachfolgerin als Organisierende des ETF 2025, an die Stadt Lausanne und werden diese Plattform noch einmal kurz nutzen können.
- Und schliesslich haben wir in den vergangenen Jahren wichtige Strategien für neue Herausforderungen entwickelt, sei es im Klimabereich, wo wir uns beispielsweise mit einem der grössten Wärme- und Kältenetze der Schweiz engagieren, sei es bei der Digitalisierung, wo wir aktiver Partner im Smart City Hub Schweiz sind, oder sei es mit der neuen BNO, in der wir viele aktuelle Anliegen der Siedlungsentwicklung aufgenommen haben.
Die Kraft dieser positiven Beispiele gilt es auch in die Zukunft mitzunehmen. Mit einer städtischen Politik, die gemeinsam mit allen Akteurinnen und Akteuren, inhaltlich ausgewogen und gleichzeitig strategisch ausgerichtet, auf möglichst viele Themen eingeht und mehrheitsfähige Lösungen umsetzt.
Das gestern zu Ende gegangene Jahr 2024 stimmt mich insofern zuversichtlich, weil wir bei vielen Aufgaben gezeigt haben, dass wir unaufgeregt agieren und handlungsfähig bleiben, auch wenn die Rahmenbedingungen unruhiger sind:
- Ich denke an die Oberstufenschulraumplanung, die nach der Ablehnung unseres Vorschlags an der Ortsbürgergemeindeversammlung 2023 nun vor der Entscheidung zuerst des Einwohnerrats und dann der OBG und der Bevölkerung steht. Der partizipative Ansatz, den wir in der zweiten Runde gewählt haben, hat dazu geführt, dass die Sachlage klarer und verständlicher ist als vor Jahresfrist.
- Ich denke an den Prozess des Zusammenschlusses mit Unterentfelden. Einer Gemeinde, die nach dem gestoppten Projekt Zukunftsraum auf uns zugekommen ist, mit dem Anliegen, mit uns zusammen in die Zukunft zu gehen. Die Feedback- und Resonanzgruppen haben sich eben zusammengefunden und werden im Jahr 2025 die Hauptarbeiten leisten und uns auf die mögliche Volksabstimmung 2026 vorbereiten.
- Ich denke an die wichtigen Neuansiedlungen, die wir in den vergangenen Monaten verkünden durften: Tibits, Nikin und Swisslog sind die bekanntesten Namen. Sie zeigen, dass Aarau ein attraktiver Wirtschaftsstandort ist und dass unsere Wirtschaftsstrategie greift; wichtige Zeichen, gerade weil wir wissen, dass die Wirtschaft in einem dauernden Strukturwandel steckt.
- Und ich denke an die überraschende und deshalb umso positivere Auszeichnung von Aarau im Rahmen des UBS-Wohnattraktivitätsratings als attraktivste Wohngemeinde in der wichtigsten und grössten Region der Schweiz, der Grossregion Zürich. Besonders positiv ist in dieser Beurteilung, dass Aarau – auf Basis der Kriterien Freizeitmöglichkeiten, Infrastrukturen und Wohnkosten – für alle Einkommenskategorien – hoch, mittel und tief – am attraktivsten ist.
Die Leitlinien für 2025 müssen deshalb meines Erachtens für uns als Stadt weiterhin lauten:
- Erstens: Bewährtes pflegen; ja auch bei der Markthalle und beim Maienzug.
- Zweiens: Offen sein für Neues; nochmals ja, ebenfalls beim Maienzug und bei der Markthalle.
- Drittens: Neue Lösungen austesten, aber auch selbstkritisch genug sein, um Anpassungen vorzunehmen, wenn etwas nicht funktioniert.
- Und schliesslich viertens: Bei all unseren Aktivitäten, sei es für das Alter, für die Jugend, für Kulturschaffende, für Sportbegeisterte, für Arbeitnehmende und Arbeitgebende oder für wen auch immer, darauf achten, dass wir den nachfolgenden Generationen möglichst keine Versäumnisse und keine zu grossen Lasten hinterlassen.
Was heisst das 2025 konkret?
- Wir werden den Standortentscheid für die Oberstufenschulräume fällen und die Tagesschule eröffnen.
- Wir werden die Neubauten des Pflegheims Herosé und des KiFF weitgehend abschliessen können.
- Wir werden gemeinsam mit Unterentfelden das Detailprojekt für den Zusammenschluss beider Gemeinden erarbeiten.
- Wir werden im Winkel in Aarau Rohr mit der Sanierung des Sportplatzes beginnen und die Weichen für die Sanierung und Erweiterung der Sportanlagen im Schachen stellen.
- Wir wollen bei zwei Hotelprojekten in Aarau weiterkommen.
- Wir wollen beim vorgeschlagenen Projekt einer Erneuerung der Sporthalle Schachen mit Wohnungen eine Investorensubmission durchführen und damit klären, wie die Chancen für dieses Projekt stehen.
- Wir werden die Planungen in unseren grossen Transformationsgebieten, im Torfeld Nord, in der Telli Ost und im Kasernenareal, gemeinsam mit den Grundeigentümerinnen und Grundeigentümern sowie den Planungsbehörden des Kantons weitertreiben.
- Wir wollen aber auch unsere Verwaltung weiter auf die neuen Herausforderungen einstellen, mit dem Ausbau der digitalen Dienstleistungen, so wie wir das im vergangenen Jahr beispielsweise mit der Einführung der E-Baubewilligungen getan haben, und dabei darauf achten, dass Dienstleistungsqualität und Kundenorientierung laufend verbessert werden.
- Und beim Stadion… da hoffen wir, dass der Gestaltungsplan baldmöglichst rechtskräftig ist – an uns wird es nicht liegen.
- Schliesslich wollen wir uns bei «abverheiten» Leistungen und Angeboten, die es leider immer wieder gibt – ich denke an den Verkauf der Maienzugbankettkarten oder an die Verrechnung der neuen Abwassergebühren – nicht nur entschuldigen, sondern auch zügig verbessern.
Wenn ich von «wir» spreche, dann ist die Zusammenarbeit gemeint zwischen «uns», als Stadtrat, mit den politischen Gremien, mit der Verwaltung und mit der Bevölkerung. Auf diese bewährte Zusammenarbeit freue ich mich auch im neuen Jahr.
Sie sehen, wir können uns auf spannende grosse und kleinere, für unsere Zukunft aber wichtige Projekte freuen.
Ich wünsche uns allen, dass wir weiterhin sämtliche wesentlichen Themen erkennen, dass wir sie strategisch einbetten können und dann gemeinsam mit allen Kräften sinnvolle Lösungen entwickeln und umsetzen können.
In diesem Sinne komme ich gerne zum Abschluss meiner Ausführungen und stosse mit ihnen allen herzlich auf ein gesundes, glückliches und zukunftsträchtiges Jahr 2025 an. Es guets Nöis – vielen Dank!
Dr. Hanspeter Hilfiker, Stadtpräsident