Klimavorlagen
Klimavorlagen zur Abstimmung vom 18. Mai 2025
An der Einwohnerratssitzung vom 24. Februar 2025 standen Klimathemen im Fokus. Der Einwohnerrat folgte in allen Geschäften den Anträgen des Stadtrats: Die Aktualisierung der Klimaparagrafen der Gemeindeordnung wurde gutgeheissen, der Gegenvorschlag zur Stadtklima-Initiative mit der Empfehlung zur Annahme verabschiedet und der Investitionskredit für die Umsetzung des Aktionsplans Klimaanpassung Massnahmenpaket 1, im Falle einer Annahme der Stadtklima-Initiative oder des Gegenvorschlags, gesprochen.
Abstimmungsbroschüre
Botschaft: Teilrevision Gemeindeordnung (Anpassung der Klimaparagraphen) und neues Klimaschutzreglement
Botschaft: Volksinitiative Stadtklima-Initiative; Grün und Blau statt Grau
Botschaft: Investitionskredit Aktionsplan Klimaanpassung Massnahmenpaket 1
Protokoll Einwohnerratssitzung vom 24. Februar 2025
Der Klimawandel trifft die Schweiz und den Aargau überdurchschnittlich stark – die Temperatur steigt bisher doppelt so schnell wie global. Dies hat weitreichende Folgen für Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft. Künftig sind mehr und längere Hitzewellen, Trockenperioden und Starkniederschläge zu erwarten.
Klimaschutz und Klimaanpassung sind zentrale Strategien, um diesen Herausforderungen entgegenzuwirken. Am 18. Mai 2025 wird deshalb über eine Teilrevision der Gemeindeordnung zum Klimaschutz, sowie über zwei Vorlagen zur Klimaanpassung - Stadtklimainitiative und Gegenvorschlag sowie Finanzierung der Klimaanpassungsmassnahmen - abgestimmt.
Klimaschutz vs. Klimaanpassung
Klimaschutz hat zum Ziel, die globale Erwärmung zu begrenzen. Dies soll insbesondere mit der Vermeidung von Treibhausgasemissionen, aber z.B. auch mit mehr Energieeffizienz und der Förderung öffentlicher Verkehrsmittel erreicht werden.
Klimaanpassung hat zum Ziel, die Folgen des Klimawandels (z.B. Hitze, Trockenheit und Starkregen) durch Anpassung abzumildern. Mögliche Massnahmen sind beispielsweise die Entsiegelung von Flächen für ein besseres Wassermanagement, oder die Begrünung von Flächen und Fassaden.
Umgang mit dem Klimawandel in der Schweiz und in Aarau
Die Schweiz hat 2017 das Klima-Abkommen ratifiziert und sich verpflichtet, die globale Erderwärmung auf unter 2°C, besser noch auf höchstens 1.5°C zu begrenzen. Daraufhin beschloss der Bundesrat 2019 das Ziel von Netto-Null Treibhausgasemissionen bis 2050 – das bedeutet, dass keine neuen Treibhausgase mehr in die Atmosphäre gelangen sollen oder diese mit Negativemissionen vollständig ausgeglichen werden.
Im Jahr 2020 ratifizierte der Aarauer Stadtrat die Klima- und Energiecharta. Unterzeichnende Städte und Gemeinden dieser Charta setzen sich zum Ziel, bis spätestens 2050 die Treibhausgasemissionen nahezu vollständig zu eliminieren und den verbleibenden Rest mit negativen Emissionen auszugleichen. Die eigenen Klimaziele hat die Stadt Aarau in der Klimaschutzstrategie 2020 erarbeitet und ein begleitendes Massnahmenpaket entwickelt. Finanziert wird die Umsetzung dieser Massnahmen aus dem städtischen Energie- und Klimakredit (SEK).
Damit nicht nur der Ausstoss von Treibhausgasen minimiert, sondern die Stadt gleichzeitig besser auf die Folgen des Klimawandels vorbereitet wird, hat der Stadtrat 2022 eine Klimaanpassungsstrategie verabschiedet. Diese soll die Auswirkungen der klimawandelbedingten Hitze abmildern und zu einem lebenswerten Klima in Aarau beitragen.
Klimaschutz: Teilrevision Gemeindeordnung der Einwohnergemeinde (Anpassung Klimaparagrafen)
Die Klimaparagrafen der Gemeindeordnung sollen revidiert werden. Die Vorlage will die veralteten Ziele der 2000-Watt- und 1-Tonne-CO2-Gesellschaft aus dem Jahr 2012 aktualisieren. Anstatt das vom Bund vorgegebene Ziel Netto-Null bis 2050 zu übernehmen, will Aarau ambitioniert sein und bereits bis 2045 die Klimaneutralität erreichen.
Erläuterungsbericht Teilrevision der Gemeindeordnung
Öffentliche Vernehmlassung zur Teilrevision der Gemeindeordnung (Anpassung der Klimaparagraphen) und zum neuen Klimaschutzreglement
Bisherige Strategien und Konzepte der Stadt Aarau
2012: Damaliger Gegenvorschlag zur Initiative «Energiestadt Aarau konkret!»
Die Gemeindeordnung wurde im Jahr 2012 mit einem Nachhaltigkeitsartikel ergänzt, womit Politik und Verwaltung sich für die Ziele der 2000-Watt- und 1-Tonne-CO2-Gesellschaft verpflichteten. Die Stadt erarbeitete die dafür notwendigen Massnahmen in einem Aktionsplan für die Jahre 2016 bis 2022.
Mit den Zielen der 2000-Watt- und 1-Tonne-CO2-Gesellschaft aus dem Jahr 2012 können die Vorgaben der Klima- und Energie-Charta, welche 2020 unterzeichnet wurde, nicht erreicht werden. Zudem strebt die Stadt Aarau Klimaneutralität bis 2045 an – ein weiterer Grund für die geplante Revision der Gemeindeordnung.
2020: Klimaschutzstrategie Aarau
Die Klimaschutzstrategie Aarau 2020 wurde unter Einbezug von Verwaltung, Politik, Kanton, Energieversorger und Klimajugend erarbeitet. Sie setzt sich unter anderem zum Ziel, Treibhausgasemissionen zu reduzieren, die Energieversorgung effizienter und umweltverträglicher zu machen sowie den öffentlichen Verkehr zu fördern. Mit dem SEK-Kredit II (2022-2025) hat die Stadt die Klimaschutzstrategie bereits mit vielen Massnahmen umgesetzt.
Klimaschutzstrategie Aarau
SEK Massnahmenpaket 2025
2021: Kommunaler Energieplan
Der Kommunale Energieplan wurde 2021 verabschiedet und bildet ein wichtiges Planungsinstrument für eine effiziente und zukunftsgerichtete Wärmeversorgung. Die örtliche Ab- und Umweltwärme soll genutzt und der Anteil fossiler Brennstoffe sowie resultierende Treibhausgasemissionen reduziert werden.
2023: Wärmestrategie 2050
Die Wärmestrategie 2050 wurde im Jahr 2023 von der Stadt Aarau und der Eniwa gemeinsam erarbeitet. Sie schafft Grundlagen für den Gebäudebereich für das Erreichen des Ziels Netto-Null-Treibhausgasemissionen bis 2050.
Klimaanpassung: Stadtklima-Initiative «Grün und Blau statt Grau» mit Gegenvorschlag
Die Stadtklimainitiative wurde vom Verein «Umverkehr» ins Leben gerufen und bereits in verschiedenen Städten und Gemeinden eingereicht. In Aarau fordert der Verein Stadtklima Aarau eine verbindliche Entsiegelung von fünf Prozent der öffentlichen Flächen innerhalb von zehn Jahren (Referenzjahr 2022). Damit sollen die Auswirkungen von Wetterextremen und Hitzeinseln vermindert werden. So soll Aarau widerstandsfähiger gegen Hitze und andere Extremwetter, sowie das allgemeine Stadtklima verbessert werden.
Die Stadt Aarau engagiert sich bereits aktiv für die Klimaanpassung. Mit der Klimaanpassungsstrategie von 2022 und den darauf aufbauenden Aktionsplan Klimaanpassung (ab 2025) setzt sie konkrete Massnahmen um, wie Entsiegelungen, Begrünungen und Hitzeminderung. Der Stadtrat hat deshalb einen Gegenvorschlag ausgearbeitet, welcher sich auf die Klimaanpassungsstrategie der Stadt stützt und den bereits ausgearbeiteten Aktionsplan als Instrument zur Umsetzung nützt. Der Gegenvorschlag sieht deshalb eine schrittweise Umsetzung der Entsiegelungen bis 2045 vor, um finanzielle und personelle Ressourcen gezielter einzusetzen.
Bisherige Strategien und Konzepte der Stadt Aarau
2022: Klimaanpassungsstrategie – Konzept Hitzeangepasste Siedlungsentwicklung
Die Klimaanpassungsstrategie der Stadt Aarau wurde 2022 vom Stadtrat verabschiedet. Sie behandelt das Thema, wie die Siedlungsentwicklung an die klimawandelbedingte Hitze angepasst werden kann. Ziel ist, klimatische Kaltluftsysteme zu erhalten, eine Hitzeentlastung durch Grün- und Freiraumstrukturen zu erreichen, Hitzeminderung mit Wasser, Pflanzen und Materialisierung zu fördern sowie das klimaangepasste Verhalten der Bevölkerung zu stärken.
Klimaanpassungsstrategie – Zusammenfassung
Klimaanpassungsstrategie 2022
Teilkonzepte als planerische Grundlage
Zur Umsetzung der Strategie wurden drei integrierte Teilkonzepte erarbeitet, die als Planungshilfen in der räumlichen Entwicklung dienen:
2025: Aktionsplan Klimaanpassung
Der Aktionsplan Klimaanpassung Massnahmenpaket 1 (2025-2030) konkretisiert die Ziele der Klimaanpassungsstrategie und bildet die Grundlage für deren Umsetzung. Weitere Informationen finden Sie in der nachfolgenden Vorlage zum Investitionskredit.
Klimaanpassung: Investitionskredit Aktionsplan Klimaanpassung, Massnahmenpaket 1
Mit dem Aktionsplan Klimaanpassung wird die Stadt schrittweise an die veränderten Bedingungen durch den Klimawandel angepasst. Das erste Massnahmenpaket (2025 – 2030) legt den Fokus auf die Reduktion von Hitze und die Verbesserung der Aufenthaltsqualität auf priorisierten Flächen. Hierfür wird ein Investitionskredit von 4.9 Mio. Franken beantragt, vorbehältlich der rechtskräftigen Annahme der Stadtklima-Initiative oder des direkten Gegenvorschlags durch die Stimmberechtigten.
Inhalt des Massnahmenpakets 1
Das Massnahmenpaket bündelt konkrete Massnahmen und Pilotvorhaben, welche die Stadt schrittweise an den Klimawandel anpassen. Die Massnahmen setzen auf eine gezielte Kombination von baulichen, planerischen und kommunikativ wirkenden Elementen.
Die geplanten Massnahmen im Überblick:
- Entsieglung von stark versiegelten öffentlichen Flächen
- Begrünung und gestalterische Aufwertung von Schularealen, Plätzen und Parkplätzen
- Entwicklung von klimaangepassten Gestaltungskonzepten für weitere Standorte
- Durchführung von Machbarkeitsstudien für zukünftige Umgestaltungen
- Pflanzung von Stadtbäumen sowie Erarbeitung einer Baumstrategie
- Verbesserung der Standortbedingungen für Stadtbäume
- Sensibilisierungsmassnahmen
Diese Investitionen leisten einen wichtigen Beitrag zur Reduktion der Hitzebelastung, zur Förderung der Biodiversität und zur Erhöhung der Lebensqualität im öffentlichen Raum – heute und in Zukunft.
Nachfolgende Abbildung zeigt das Massnahmenspektrum des Massnahmenpakets 1, dessen Umsetzungshorizont bis 2030 reicht. Die Herleitung dieses Spektrums wird im Erläuterungsbericht zum Aktionsplan Klimaanpassung ausführlich erklärt.
Erläuterungsbericht Aktionsplan Klimaanpassung
Aktionsplan Klimaanpassung Massnahmenpaket 1
