Neujahrsansprache Stadtpräsident Dr. Hanspeter Hilfiker
(es gilt das gesprochene Wort)
Meine Damen und Herren,
Liebe Aarauerinnen und Aarauer, liebe Gäste
Es freut mich, dass ich Sie heute Abend hier im Kultur- und Kongresshaus – auch im Namen des neuen Stadtrats – zum Aarauer Neujahrsanlass begrüssen darf.
Sie alle haben heute vom tragischen Ereignis in Crans Montana gehört. Auch der Stadtrat hat von dieser Katastrophe mit Betroffenheit Kenntnis genommen. Wir haben uns auch gefragt, ob wir den heutigen Abendanlass streichen sollen, so wie Luzern oder Ascona ihre Feuerwerke gestrichen haben. Wir sind aber zum Schluss gekommen, dass unser Anlass, der kein Feuerwerk beinhaltet, insbesondere auch ein Dank an all jene ist, welche die heutigen Nachmittagsangebote ermöglicht haben; und ein Dank an unsere Bevölkerung für die gute Zusammenarbeit jahrein, jahraus. Wir haben uns deshalb entschieden, den heutigen Anlass wie geplant durchzuführen. Ich hoffe, das ist in Ihrem Sinn.
Trotz dieser Ereignisse – oder vielleicht gerade deswegen erst recht – wünsche ich Ihnen allen zuallererst herzlich alles Gute, viel Glück und beste Gesundheit im neuen Jahr 2026.
Bereits zum 25. Mal durften wir heute Nachmittag Besonderheiten unserer Stadt kennenlernen. Diesmal waren wir zu 13 Angeboten in den Quartieren Damm und Schachen eingeladen. Das Spektrum war wiederum sehr breit: Es reichte von bekannten Institutionen wie dem Rennverein auf der Rennbahn bis zu Grossunternehmen wie der Hirslanden Klinik Aarau oder zu Kulturengagements wie der Pianolounge an der Schönenwerderstrasse.
Ich danke allen herzlich, die an dieser Jubiläumsveranstaltung unseres Anlasses mitgebarbeitet haben, vor allem jenen, die sich für das Programm heute Nachmittag zur Verfügung gestellt haben.
Und ein besonderes Jubiläum feiert heute eine Formation, die seit 25 Jahren Teil des Neujahrsanlasses ist und sogar exakt heute vor 50 Jahren, am 1. Januar 1976, gegründet wurde: die Aarauer Turmbläser um Peter Roschi, seinerzeit gegründet von Kurt Brogli. Sie haben seither über 1000 Auftritte im In- und Ausland absolviert und wollen auf diesem Weg so weitergehen. Herzliche Gratulation Euch, Peter Roschi, vielen Dank für Euer Engagement und weiterhin alles Gute.
Ganz besonders danken will ich unserer Neujahrskommission, die zum letzten Mal unter der Leitung meiner geschätzten bisherigen Stadtratskollegin Angelica Cavegn Leitner getagt und den Anlass perfekt organisiert hat. Vielen Dank für Eure Arbeit.
Der Wechsel an der Spitze der Neujahrskommission ist charakteristisch für dieses Neujahr, das viele Wechsel in der städtischen Politik mit sich bringt. Mit den Neuwahlen des Stadtrats und des Einwohnerrats hat die Bevölkerung von Aarau wichtige Entscheidungen getroffen. Im Stadtrat sind vier von sieben Sitzen neu besetzt; im Einwohnerrat 8 von 50. Natürlich gratuliere ich allen Gewählten herzlich zu ihrer Wahl und wünsche ihnen in ihren Funktionen alles Gute und viel Erfolg.
Bevor wir auf die Herausforderungen eingehen, die im neuen Jahr vor uns liegen, lassen Sie uns kurz auf 2025 zurückblicken. Ich denke, dass wir einige Meilensteine setzen konnten:
- Im April haben wir ein neues Logo der Stadt vorgestellt, das heute schon vielerorts selbstverständlich verwendet wird. Wie üblich gefällt ein neuer Auftritt nicht allen, wir haben damit aber eine gute Grundlage für einen zeitgemässen Auftritt auf allen Kanälen gelegt.
- Im Mai haben in einer Volksabstimmung über 70 Prozent der Aarauer Bevölkerung die Anpassung des Klimaparagraphen in unserer Gemeindeordnung unterstützt. Ein klares Zeichen, dass wir auf dem gewählten Weg zur Senkung unseres CO2-Ausstosses weitergehen wollen.
- Im Mai und Juni haben der Einwohnerrat und die Ortsbürgergemeindeversammlung das neue Konzept zum Schulraum der Oberstufe unterstützt. Der Volksentscheid, der für den Herbst vorgesehen war, musste zwar aufgrund von Beschwerden und einem Referendum verschoben werden, am 8. März 2026 können diese Entscheide aber an der Urne gefällt werden.
- Im November konnten wir gemeinsam mit dem Einwohnerrat die Zukunft der Markthalle beraten. Die Halle soll bestehen bleiben, die umliegenden Areale sorgfältig neu gestaltet werden. Für mich ist der Prozess, auch wenn er länger als geplant gedauert hat, ein gutes Partizipationsbeispiel gerade bei einer Frage, bei der sich die «richtige» Lösung nicht auf Anhieb abgezeichnet hat.
- Und schliesslich sind wir bis zur letzten Stadtrats- und Einwohnerratssitzung in den bisherigen Gremien aktiv geblieben: In der letzten Stadtratssitzung am 15. Dezember haben wir das Detailkonzept zum Projekt «Zäme wachse» mit Unterentfelden verabschiedet, und am selben Tag, abends, in der letzten ER-Sitzung der Legislaturperiode, den Baukredit für den Neubau von 42 Alterswohnungen im Herosé grossmehrheitlich angenommen.
Ein guter Abschluss einer Legislaturperiode, die uns strategisch und operativ, aber auch was Projekte und Arbeitsweisen betrifft, deutlich weitergebracht hat. An dieser Stelle danke ich den bisherigen Gremien, vor allem Einwohnerrat und Stadtrat, noch einmal herzlich für ihre ausgezeichnete Arbeit. Vielen Dank.
Veränderungen gehören zum Leben und so freue ich mich auf die Zusammenarbeit im neuen Stadtrat und mit dem neuen Einwohnerrat. 2026 wird ein spannendes Jahr und bringt uns zumindest zwei Entscheidungen, die weit über das neue Jahr hinausreichen:
- Erstens die Abstimmungen am 8. März zu den Oberstufenstandorten. Sie legen nicht nur die Grundlagen für die Entwicklung eines weiteren Oberstufenstandorts in der Telli, sondern ermöglichen auch die Weiterentwicklung unserer Sportanlagen in den nächsten Jahrzehnten. Denn ohne Oberstufenstandort Telli wird die Alte Kanti in der Telli bleiben, im Rössligut werden keine zwei Dreifachhallen erstellt und unsere Sporthallenkapazitäten bleiben beschränkt.
- Ein zweiter Entscheid von grosser Tragweite ist natürlich jener zum Zusammengehen mit Unterentfelden. Nach dem angesprochenen Detailkonzept, das wir vor Weihnachten vorgestellt haben, geht es im neuen Jahr um die breite Diskussion der Inhalte, mit den Räten und mit den Bevölkerungen. Im Juni folgen dann die Abstimmungen zum Zusammenschluss in der Gemeindeversammlung Unterentfelden und im Einwohnerrat in Aarau. Und im Herbst dann, genauer am 27. September 2026, sind die Volksabstimmung in Aarau und in Unterentfelden geplant. Ich lade alle Kreise herzlich ein, sich an den Diskussionen um diesen Zusammenschluss zu beteiligen, weil es um die Zukunft von uns allen geht. Mir sind dabei zwei Haltungen ganz wichtig: Offenheit und das Denken in Potenzialen:
- Offenheit bedeutet für mich, dass wir möglichst unvoreingenommen auf die Themenfelder zugehen. Wir haben in den Vorarbeiten zu unserem Detailkonzept festgestellt, dass es tatsächlich in allen Bereichen Lösungen gibt, die allen Anspruchsgruppen gerecht werden können.
- Ein zweiter wichtiger Punkt ist für mich, dass wir nicht nur daran denken, was sich durch einen Zusammenschluss kurzfristig ändern könnte, sondern dass wir auch an jene Potenziale denken, die ein solcher Zusammenschluss längerfristig bietet. Wir haben im Detailkonzept den Vergleich mit der Entwicklung der ehemals selbständigen Gemeinde Rohr seit der Fusion mit Aarau auf den 1. Januar 2010 beigezogen. Die Entwicklungen waren ausgesprochen positiv; und zwar in verschiedensten Bereichen – vielleicht am offensichtlichsten bei den Einwohnerzahlen, aber eben auch bei den Infrastrukturen, beim Steuersubstrat und bei der Attraktivität Rohrs als Wohn- und als Veranstaltungsort.
Ich darf an dieser Stelle Gemeindeammann Alfred Stiner, Gemeinderat Guido Scherrer sowie Gemeinderätin Gerda Amberg, inklusive Partnerinnen und Partner, als Vertretungen des Gemeinderats Unterentfelden begrüssen. Schön, dass sie sich heute die Zeit nehmen, hier in Aarau an unserem Neujahrsanlass teilzunehmen. Als letzten Punkt zu diesem Thema darf ich Sie alle einladen, am Donnerstagabend, 15. Januar 2026, den öffentlichen Anlass im KuK zu diesem Thema vorzumerken. Wir freuen uns auf Ihr Erscheinen.
Bevor wir uns noch weiter in Themendiskussionen vertiefen, doch noch ein paar Worte zu unserem neuen Stadtratsgremium: Ich bin zuversichtlich, dass uns der Einstieg in die neue Legislatur gelingen wird. Wir haben bereits drei Sitzungen in der neuen Zusammensetzung abhalten können und sind darin zu guten Lösungen gekommen, was mich sehr positiv stimmt. Ein gut funktionierendes Gremium ist für uns als Stadt sehr wichtig, denn neben Schulräumen und dem Zusammenschluss mit Unterentfelden stehen wir vor weiteren wichtigen Entscheiden:
- Gespannt warten wir auf die Beurteilungen unserer Bewerbung als «Kulturhauptstadt der Schweiz» für das Jahr 2030; der Entscheid soll in der ersten Jahreshälfte fallen.
- Gespannt sein dürfen wir ebenso auf die Weiterentwicklung des FC Aarau, der vor einer vielversprechenden zweiten Saisonhälfte steht; ein positiver Abschluss würde hoffentlich auch unser Stadionprojekt beflügeln.
- Viele Themen werden uns auch künftig mit dem Kanton verbinden: Urbane Sicherheit wird ohne enge Koordination mit den Sicherheitskräften des Kantons und der Bahn sowie mit den sozialen Diensten aller Ebenen nicht gelingen; dasselbe gilt für die Entwicklungen der Pflegekosten oder für die notwendigen Massnahmen im Sucht- und im Asylbereich.
- Und schliesslich werden uns auch 2026 die Finanzen beschäftigen. Unser Investitionsplan ist übervoll. Es gilt, pragmatisch sinnvolle Lösungen zu reali-sieren. Sei es bei den Schulstandorten oder bei den Sportinfrastrukturen. Hier sind besonders die politischen Gremien, Stadtrat und Einwohnerrat, gefordert.
Sie sehen, die Arbeiten gehen uns auch im neuen Jahr nicht aus. Und neben all den grossen Themen werden wir uns auch 2026 mit viel Unvorhergesehenem beschäftigen dürfen: Mit Einwendungen zu Bauprojekten, mit Fragen zur Handhabung von Einkaufswagen in Einkaufszentren oder mit Preisen von Katzenrettungen durch die Feuerwehr. Ich freue mich darauf. Auf jeden Fall wünsche ich uns allen, dass wir auch im neuen Jahr die wichtigen Themen klar erkennen, dass wir sie angemessen behandeln und gemeinsam gute Lösungen für unsere Bevölkerung finden können.
In diesem Sinne komme ich gerne zum Abschluss meiner Ausführungen und stosse mit ihnen allen herzlich auf ein gesundes, glückliches und zukunftsträchtiges Jahr 2026 an. Es guets Nöis – vielen Dank!