Neujahrsansprache Stadtpräsident Dr. Hanspeter Hilfiker
Meine Damen und Herren,
Liebe Aarauerinnen und Aarauer,
Liebe Gäste
Es freut mich, dass ich Sie im Namen des Stadtrats hier im KuK zum Neujahrsempfang der Stadt Aarau begrüssen darf.
Ich hoffe, Sie alle konnten die Festtage im Kreise ihrer Familien und Freunde geniessen. Ihnen allen wünsche ich zuallererst alles Gute, viel Glück, Gesundheit und Erfolg im neuen Jahr.
Der Neujahrsempfang der Stadt Aarau darf heute ein kleines Jubiläum feiern: Bereits zum 20. Mal starten wir das neue Jahr mit einem «Buffet» aus Aarauer Spezialitäten.
- Wir hatten heute Nachmittag Gelegenheit,
- private Sammlungen zu bestaunen,
- ungewohnte Blicke aus Wohnungen mitten in der Stadt zu geniessen;
- Wir durften bekannte oder weniger bekannte Institutionen näher kennen lernen,
- oder einfach mit Nachbarn und Freunden auf das neue Jahr anstossen.
Ich möchte an dieser Stelle der Neujahrskommission unter Leitung meiner Kollegin Angelica Cavegn Leitner ganz herzlich dafür danken, dass sie auch in diesem Jahr ein wunderbar vielfältiges Programm zusammengestellt hat.
Ein besonderer Dank geht an die 21 Privatpersonen und Institutionen, die heute ihre Häuser für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht oder eine besondere Begegnungs-möglichkeit geschaffen haben.
Vielen Dank Ihnen allen.
Der Neujahrstag und zusätzlich das Jubiläum unserer Neujahrsfeier, bieten beste Gelegenheit für eine Standortbestimmung; und für einige Gedanken darüber, woher wir kommen, wo wir stehen und in welche Richtung wir mit unserer Stadt weitergehen wollen.
Zur Vorbereitung auf heute Abend habe ich letzte Woche in unserem Stadtarchiv nach den Stadtratsprotokollen aus der Zeit des Jahreswechsels 1999/2000 gesucht. Selbstverständlich bin ich schnell fündig geworden, denn unser Archiv ist vorbildlich geführt und geordnet.
Aufgefallen ist mir zuerst, dass der Stadtrat seither vollständig erneuert ist; wenn wir zusätzlich bedenken, dass auch der Einwohnerrat in den letzten 19 Jahren zu 100 % neu besetzt wurde, zeigt sich, dass wir eine entwicklungsfreudige politische Kultur pflegen, und auch genügend Bürgerinnen und Bürger haben, die sich für politische Ämter zur Verfügung stellen. Vielen Dank an dieser Stelle an alle, die sich in unseren Institutionen engagieren.
… was wurde nun aber vor 19 Jahren genau diskutiert? Mir sind vier Themen aufge-fallen:
- Besprochen wurde beispielsweise eine Motion zur Unterstützung der Kunsthaus-Erweiterung durch die Stadt Aarau. Einzelne dürften noch daran erinnern, dass im Vorfeld des Ausbaus des Kunsthauses plötzlich Standortdiskussionen aufgekommen sind. Hintergrund war eine Initiative aus Baden, das Kunsthaus – mit einem finanziellen Anreiz – allenfalls nach Baden zu locken. Der Stadtrat hat sich Anfang 2000 für einen Beitrag der Stadt Aarau an den Neubau ausge-sprochen, mit dem Ziel die Institution in Aarau zu halten.
- Dann wurden die Waldschäden besprochen, die der grosse Sturm Lothar am 26. Dezember 1999 angerichtet hatte; der grösste Sturm, den Aarau je gesehen hat, der Schäden verursacht hatte, die fast 10 mal so gross waren, wie jene des Sturms «Burglind» vor einem Jahr.
- Thema waren auch die Sport- und Freizeitangebote. Konkret ging es um ein Angebot des damals noch recht jungen Rolling Rock für die Schule Aarau, die damals gut 1700 Schülerinnen und Schüler umfasste.
- Und dann waren wichtige Baugesuche und Entwicklungsprojekte in der Pipeline. Konkret ging es etwa um die zweite Ausbauetappe der Hirslanden-Klinik im Schachen und um die Vermarktung der Überbauung Aarepark, die kurz vor Baubeginn stand.
Wie ist es Ihnen bei diesen Themen ergangen? Viele werden sich an die eine oder andere Geschichte erinnern; oder einfach festgestellt haben, wie schnell die Zeit ver-geht.
Mir hat der Blick in die fast 20-jährigen Dokumente gezeigt, dass die angesprochenen Themenbereiche auch heute noch aktuell und relevant sind:
- Erstens sind die Institutionen Kunsthaus und Rolling Rock – neben vielen anderen Einrichtungen im Kultur- und Sportbereich – für Aarau wichtig geblieben. Und sie haben sich in den letzten zwei Jahrzehnten mit ihren neuen Infrastrukturen, die von der Stadt mit unterstützt wurden, ausserordentlich positiv entwickelt.
- Zweitens hat die Schule Aarau – mit dem Start der Kreisschule Aarau-Buchs im vergangenen Jahr – einen Quantensprung geschafft. Es ist ein grosses Verdienst der Lehrerschaft, der Schülerinnen und Schüler, der Eltern und der Behörden, dass dieser Start einer Schule mit über 3000 Schülerinnen und Schülern und 500 Lehrkräften gelungen ist.
- Drittens sind Stadtentwicklungsprojekte natürlich eine Kernaufgabe der poli-tischen Arbeit geblieben. Der Gesundheitsbereich hat sich in Aarau bestens entwickelt, auch heute stehen wir bei unseren Spitälern und in vielen weiteren Bereichen vor wichtigen Bauprojek-ten. Dass Aarau in den letzten Jahren be-züglich Stadtentwicklung mehr erreicht hat, als viele andere Städte in unserem Land, zeigen nicht nur diese Projekte, sondern auch zwei weitere Faktoren: Ei-nerseits die Eröffnungen und Einweihungen der letzten 12 Monate, etwa des Swissgrid Hauptsitzes, des Bahnhof-Ergänzungsbaus oder des Aeschbach-Areals. Andererseits die Bestätigung, dass Aarau im Bilanz Ranking der lebenswertesten Städte der Schweiz den ausgezeichneten 5. Rang belegt; aus über 160 Schweizer Städten.
Insgesamt dürfen wir heute, am 1. Januar 2019, auf eine lebendige, vielfältige und prosperierende Stadt und Region Aarau anstossen.
Unsere öffentlichen Angebote sind breit aufgestellt, die Wirtschaft läuft (noch) rund, wir dürfen neue Bewohnerinnen und Bewohner und neue Arbeitsplätze in unserer Stadt begrüssen; einer Stadt, die in jeder Hinsicht als attraktiv wahrgenommen wird.
Damit wir diese Position halten können, müssen wir uns auch in Zukunft anstrengen. Für eine positive Weiterentwicklung sind für mich drei Aspekte besonders wichtig:
- Erstens hat der kurze historische Rückblick gezeigt, wie wichtig die Kontinuität in einer Entwicklung ist. Wir müssen uns über unsere Herkunft und über die Möglichkeiten der Gestaltung bewusst sein. Nach den erwähnten Beispielen Kunsthaus und Rolling Rock ist die Weiterentwicklung der Tuchlaube mit der Alten Reithalle, welche von der Bevölkerung im Juni so deutlich angenommen wurde, ein aktuelles Beispiel einer kontinuierlichen Entwicklung. Ebenfalls zu diesem Bereich zählt die städtische Unterstützung des KiFF in seiner Entwicklung zu einem neuen Haus. Es sollen Entwicklungen mit Augenmass sein, die auf Bewährtem aufbauen und ambitioniert sind.
- Der zweite wichtige Punkt ist für mich eine klare Perspektive. Die Richtung der Stadtentwicklung sollte der ganzen Bevölkerung klar sein. Mit der neuen Bau- und Nutzungsordnung (BNO) haben wir im letzten Jahr eine wichtige Rahmenbedingung gesetzt. Ich hoffe, dass wir dieses breit austarierte Regel-werk in diesem Jahr definitiv einsetzen und damit auch neue Perspektiven schaffen können. Denn die BNO regelt nicht nur die bauliche Entwicklung der Stadt, sondern setzt auch für neue Nutzungen und neue Angebote den Rahmen. Genau zu diesen «Perspektiven» zählt auch unser regionales Projekt «Zukunftsraum». Dort wollen wir, gemeinsam mit der Region, eine neue Hauptstadt entwickeln.
- Neben der Kontinuität und den intakten Perspektiven basiert die Entwicklung eines Gemeinwesens drittens auf dem Willen aller zur Zusammenarbeit. Primär sind die politischen Gremien, Stadtrat, Einwohnerrat, Kommissionen, aber auch die Institutionen auf Kantons- und Bundesebene gefordert. Genauso wichtig ist aber der Zusammenarbeitswille der ganzen Bevölkerung. Misstrauen zwischen den Gremien oder absichtliche Blockaden, etwa über immer weitere Beschwerden, führen zu Stillstand und nicht zu Weiterentwicklung. Ich hoffe, dass wir in Aarau in dieser Beziehung vor einer besseren Zukunft stehen. Der Stadtrat will mit einem breiten Einbezug der Bevölkerung dafür eine stabile Grundlage legen. Gleichzeitig erwarten wir, dass demokratisch gefällte Entscheide auch akzeptiert werden.
In diesem Sinne dürfen wir durchaus optimistisch in das Jahr 2019 blicken. Wir haben viel erreicht und stehen vor vielen spannenden Projekten:
- So werden wir schon im Frühjahr die Reglemente zur Umsetzung des Kinder-betreuungsgesetzes diskutieren und hoffentlich fixieren können;
- Wir werden die Erneuerung unserer städtischen Pflegeheime hoffentlich mit einer breiten Unterstützung in der Volksabstimmung starten können;
- Dann sind zwei wichtige Spatenstiche vorgesehen: Im Sommer für die Sanierung der Alten Reithalle; und im Herbst für die Bauarbeiten zur neuen Aarebrücke.
- Weiter bin ich zuversichtlich, dass aus Einwohnerrat und Bevölkerung ver-schiedenste aktuelle Themen eingebracht werden und damit die öffentliche Diskussion ermöglichen. Sei es zum Bus in der Altstadt, zum Beitritt zu neuen Labels, oder zur Unterstützung von Vereinsjubiläen;
- Und schliesslich, darüber habe ich bisher bewusst kein Wort verloren, wird 2019 zu einem ganz wichtigen Jahr für das neue Fussballstadion… Ich bin gespannt, was ich in einem Jahr hier über den Ausgang der Abstimmung berichten kann, die voraussichtlich im November stattfinden wird.
Damit wir alle anstehenden Themen schon heute Abend und hier im KuK vorbesprechen können, will ich meine Ausführungen nun abschliessen, und mit Ihnen allen auf ein gesundes, erfolgreiches und glückliches neues Jahr anstossen.
Es guets Nöis.